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30.06.2021

Beckhoff Automation: Hightech-Unternehmen mit lokalem Touch

Interview mit Hans Beckhoff, geschäftsführender Inhaber von Beckhoff Automation, und René Zuberbühler, Geschäftsführer Beckhoff Schweiz

Quelle: Vogel Communications Group AG, www.maschinenmarkt.ch

Autor: Silvano Böni, Chefredaktor at - Aktuelle Technik, Vogel Communications Group AG, www.maschinenmarkt.ch

Vor 40 Jahren gründete Hans Beckhoff das gleichnamige Familien­unternehmen – und gehört heute zu den Weltmarktführern in Sachen Automatisierung. Mehr als Grund genug, uns mit ihm und dem Schweizer Geschäftsführer René Zuberbühler über die letzten Jahrzehnte und die Zukunft zu unterhalten.

Herr Beckhoff, im vergangenen Jahr feierten Sie ein Jubiläum – vom 1-Mann-Betrieb zum (fast) Milliarden-Unternehmen in 40 Jahren. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Hans Beckhoff: Als Unternehmer muss man in erster Linie über eine gute Portion Optimismus verfügen. Man nimmt sich etwas vor und muss das mit viel Ausdauer und Geduld verfolgen und umsetzen. Und es braucht gewisse Prinzipien und Grundsätze, die wir unserem Handeln und Verhalten zugrunde legen. Wir versuchen zum Beispiel, alle Vorgänge im Unternehmen so einfach wie möglich zu halten und zu gestalten. Ein weiteres Grundprinzip ist das Vertrauen. Wie der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann schon vor langer Zeit erfasst hat: Vertrauen reduziert Komplexität – und das ist zutiefst wahr und daher auch einer der Hauptgrundsätze, wie wir unsere Firma leiten. Das gilt in Deutschland, aber auch im Rest der Welt. Ein Beispiel dazu: Wir vertrauen alle unsere Tochtergesellschaften immer lokalen Mitarbeitern an. Es gibt keine einzige Auslandsvertretung, in der ein Deutscher im Management arbeitet. Wir suchen die Geschäftsführer so aus, dass sie diese Beckhoff-Philosophie gut verkörpern im Zusammenspiel mit der Kenntnis des lokalen Marktes und der Kultur. Das ist eine ideale Kombination.

Kundennähe als Erfolgsgeheimnis. Das klingt zu einfach …

H. Beckhoff: Das ist natürlich nur ein Teil unserer Erfolgsstory – aber diese Nähe ist extrem wichtig. Wir gehen immer den direkten Weg zum Kunden, in den meisten Industrieländern ohne Distributoren. Wenn es der Markt erlaubt und hergibt, dann bauen wir eine eigene Mannschaft auf, so wie wir es mittlerweile in 39 Ländern der Welt gemacht haben. Wir möchten für unsere Kunden die Hightech-Firma mit dem lokalen Touch aus der Nachbarschaft sein. Wir hoffen, dass wir die Spitze der Technologie in der Automatisierung verkörpern und stehen mit unserem ganzen Know-how unserem Kunden zur Verfügung, der dies in seinem lokalen Dialekt mit uns besprechen kann.

Hans Beckhoff: „XTS und XPlanar bringen dem Maschinenbau ganz viele neue Optionen und werden zu Standard-Antriebsformen werden, davon bin ich überzeugt.
Hans Beckhoff: „XTS und XPlanar bringen dem Maschinenbau ganz viele neue Optionen und werden zu Standard-Antriebsformen werden, davon bin ich überzeugt."

René Zuberbühler: In der Schweiz sogar in mehreren Sprachen und zig Dialekten (lacht). Diese regionale und kulturelle Vielfalt macht unser Land aus. Daher ist die Nähe zu Kunden für uns ein herausragender Kundenvorteil. Jedem unserer Kunden ordnen wir einen persönlichen Ansprechpartner im Vertrieb zu. Inzwischen haben viele sogar bei der technischen Betreuung, im Support oder in der Auftragsabwicklung ihre individuellen Ansprechpersonen. Mit unseren sechs Geschäftsstellen decken wir alle Landesteile, Sprachregionen und Branchen perfekt ab. So haben wir beispielsweise seit zwei Jahren am Standort Lyssach auch ein eigenes CNC-Team mit direktem Zugang zu lokalen Grosskunden und zur Uhrenindustrie. Die erwähnte Nähe zeigt sich aber auch bei Kundenprojekten. Ich bin selbst gerne und regelmässig in Kundengesprächen und am liebsten direkt vor Ort, am Schauplatz des Geschehens. Nur so halten wir Schritt mit der schnellen Entwicklung und können unseren Kunden persönlich und auf Augenhöhe begegnen und zusammen Lösungen entwickeln.

Beckhoff ist ein gesundes Unternehmen mit vielfach überproportionalem Wachstum. Sie können also mit Stolz auf die vergangenen 40 Jahre zurückblicken …

H. Beckhoff: Absolut. Kunden, die wir vor 40 Jahren gewonnen haben, sind immer noch unsere Kunden. So etwas macht einen Stolz. Wir möchten ein vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Kunden aufbauen, mit ihnen wachsen und dennoch neue dazugewinnen. Diese Entwicklungen führen dann zum überproportionalen Wachstum im Vergleich zur Branche. Und klar, die Momente des Stolzfühlens gibt es, aber die darf man nicht zu lange haben. Sobald man sich nur ein bisschen zurücklehnt, kommt der Wettbewerb und überholt einen.

Auch die Schweizer Niederlassung feierte bereits ihr 20-jähriges Jubiläum. Wie sieht Ihr Fazit aus, Herr Zuberbühler?

R. Zuberbühler: Im September 2019 konnten wir glücklicherweise noch das Jubiläum mit zahlreichen Kunden aus der gesamten Schweiz feiern. Zu sehen, wie viele Kunden und Partnern in diesem Raum unsere Begeisterung für die Automatisierungs-Technologie teilen und gerne mit uns zusammenarbeiten, hat mich sehr berührt. Beckhoff und die Schweiz kann man wirklich als sehr guten Match bezeichnen. Die Schweiz ist Hochburg vieler Innovationen – und Beckhoff ist der perfekte Lieferant von passender Automatisierungstechnik für diesen Markt. Der Innovationshunger ist hier gross und will laufend gestillt werden.

H. Beckhoff: Die Schweiz ist für uns ein sehr wichtiger Markt. Sie ist ein Hightech-Land und unsere führenden Technologien finden oft ihre erste Anwendung in der Schweiz.

Apropos führende Technologie. Sie hatten immer ein gutes Gespür, was neue Technologien anbelangt. Mit der PC-basierten Steuerungstechnik setzten Sie früh auf ein anderes Pferd als viele der traditionellen Automatisierungshersteller – zu Recht, heutzutage geht ohne softwarebasierte Automatisierung nichts mehr in der Fabrik. Wohin geht die Reise in der Steuerungstechnik?

H. Beckhoff: Ja, wir waren Mitte der 80er einer der Ersten, wenn nicht der Erste, der eine PC-basierte Steuerung auf den Markt gebracht hat. Wir haben früh den Nutzen erkannt, der sich aus der Integration von IT-Technologie und Steuerungstechnologie ergibt. Mittlerweile ist dieses Konzept zum Standard in der Industrie geworden – und diese softwarefokussierte Entwicklung wird weitergehen und darauf sind wir gut vorbereitet: So haben wir unsere zentrale Steuerungssoftware TwinCAT zu einem Universal-Automatisierungswerkzeug ausgebaut. Da ist in einer Plattform alles vorhanden, was das Automatisierer-Herz begehrt: SPS, Simulation, KI, Bildverarbeitung, Messtechnik, Hochsprachen-Programmierung, Anbindung an Matlab/Simulink und so weiter. Auf diese leistungsfähige Steuerungsbasis bauen übrigens auch unsere neuen linearen und planaren Antriebskonzepte wie XTS und XPlanar auf. Wir können hochkomplexe, mathematische Modellbildungen auf dem PC realisieren und diese dazu nutzen, um Wander-Magnetfelder zu berechnen und schlussendlich zu erzeugen. Erst dadurch sind diese speziellen Antriebsarten möglich geworden.

Mit diesen alternativen Kinematiken, wie dem linearen Multi-­Mover-Transportsystem XTS oder dem schwebenden Multi-Mover-Transportsystem XPlanar, feiern Sie grosse Erfolge. Erklären Sie uns die Erfolgsgeschichte. Und worin liegen die Unterschiede der beiden Produkte?

H. Beckhoff: Was soll ich sagen? Die Schweiz ist schuld (lacht). Die ursprüngliche Aufgabenstellung für das XTS wurde 2007 von einer Schweizer Firma an uns herangetragen. Wir konnten die Aufgabe lösen, die Technologie weiterentwickeln und einige Jahre später auf dem Markt anbieten. Heute ist das ein grosser kommerzieller Erfolg, das hat aber seine Zeit gedauert, bis der Markt diese Technologie akzeptiert und verstanden hat. Jetzt ist sie in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Die XTS-­Technologie zeigt einmal mehr die Leistungsfähigkeit von PC-Control. Man hat zum Beispiel über 100 Mover in einem System, und die benötigen in Echtzeit ihre Wandermagnetfelder, damit sie sich bewegen können. Das wird auf unseren leistungsstarken PCs berechnet, mit EtherCat übertragen und so die Strommuster erzeugt, die dann wiederum die Magnetfelder auslösen und die Mover zur Bewegung bringen.

Und XPlanar?

H. Beckhoff: XPlanar ist daraus entstanden, indem wir uns fragten, wie wir aus einer Dimension von XTS in die zweite oder dritte Dimension hineinkommen. Die Entwicklung dazu hat bereits im Jahre 2014 angefangen – mittlerweile sind schon zahlreiche Serienanwendungen am Start. Genau wie XTS hat das aber seine Zeit bis zum Durchbruch gedauert. Beide Antriebsprinzipien bringen dem Maschinenbau ganz viele neue Optionen und werden zu Standard-Antriebsformen werden, davon bin ich überzeugt.

Wer setzt denn auf XTS und wer auf XPlanar?

H. Beckhoff: Es gibt im Maschinenbau viele Anwendungen, bei denen man genau eine lineare Bewegung mit vielen Movern darauf braucht – dafür ist das XTS prädestiniert. Das System hat ausserdem Vorzüge in Kurvenbewegungen, die sehr dynamisch durchgeführt werden können. Wenn man jedoch in der Fläche positionieren will und viele Weichen in der Anwendung hat, dann sollte XPlanar zum Einsatz kommen. Dieses verfügt über viel mehr Freiheitsgrade!

R. Zuberbühler: XTS ist für viele Anwendungen und Montageprozesse die prädestinierte Technologie und besonders dynamisch. Es gibt aber auch Anwendungen, beispielsweise im Hygienebereich, die eine abriebsfreie Variante verlangen, die leicht zu reinigen ist, keine mechanischen beweglichen Teile besitzt und noch mehr Flexibilität bietet, dort kommt eher XPlanar zum Einsatz. Speziell die Erweiterung der 360°-Mover-­Rotation eröffnet viele weitere Möglichkeiten.

Hans Beckhoff: „Die ursprüngliche Aufgabenstellung für das XTS wurde 2007 von einer Schweizer Firma an uns herangetragen.“
Hans Beckhoff: „Die ursprüngliche Aufgabenstellung für das XTS wurde 2007 von einer Schweizer Firma an uns herangetragen.“

Wie beliebt sind die Technologien hier in der Schweiz?

R. Zuberbühler: Das XTS ist seit Jahren sehr erfolgreich im Schweizer Markt. Es werden viele XTS-Systeme für Montageanlagen und praktisch alle anderen Branchen wie den Automobil-, Uhren-, Verpackungs- und Medizinal-Bereich realisiert. Eine magische Anziehungskraft entstand zwischen der Schweiz und dem XPlanar seit der eindrücklichen Präsentation auf der SPS 2018. Bereits im Folgejahr wurden erste Systeme installiert. Im nächsten Jahr folgen nun die ersten Serienmaschinen mit XPlanar bei einigen Schweizer Kunden. Ich bin sicher, dass XPlanar in Zukunft mindestens so erfolgreich sein wird wie das XTS.

Was ist ausschlaggebend für diesen Erfolg in der Schweiz?

R. Zuberbühler: Es ist die Kombination aus starker Marktpräsenz und innovativer Produkte, die entscheidend ist. XTS und XPlanar sind revolutionäre Transportlösungen und sie setzen eigene Massstäbe. Ein wichtiges Argument für XPlanar ist die Einfachheit der direkten Integration in TwinCAT und die schlanke Architektur mit einer einfachen Topologie. Ein zentraler Controller und ein Bussystem, fertig! XTS und auch XPlanar werden darüber hinaus selten als Katalogprodukte verkauft und die Dienstleistungen unserer Spezialisten vor Ort sind entscheidend. In mehr als 90 Prozent der Schweizer Projekte liefern wir ein Gesamtsystem. Wir beraten den Kunden bei der Auslegung, erstellen Simulationen der Fahrprofile und berechnen die Ausbringung beziehungsweise Zykluszeiten. Danach liefern wir das Führungssystem, den Schaltschrank, machen die Montage auf ein kundenspezifisches Chassis und führen die Vorabnahme durch. Auf Kundenwunsch begleiten wir ihn auch bei der Einbindung von Matlab/Simulink oder Machine-Learning-Funktionen. Somit erhält er am Ende ein System geliefert, fix fertig out-of-the-box.

H. Beckhoff: Das ist das Schöne an unserer vielfältigen Kundschaft: Es gibt auch die anderen Anwender, die Tüftler mit eigenem Engineering, welche nur die Module bei uns erwerben und diese unbedingt eigenständig austesten und Grenzen ausloten möchten.

Das Jubiläumsjahr wurde überschattet durch die Coronapandemie. Wie ist es Ihrem Unternehmen in dieser schwierigen Zeit ergangen? Wie sind die Aussichten?

H. Beckhoff: Wir waren früh vorgewarnt, was Corona betrifft, weil zu unserem weltweiten Beckhoff-Netzwerk auch unser chinesisches Tochterunternehmen mit einem Büro in Wuhan, dem Ursprung der Pandemie, gehört. Wir haben also sehr früh die Auswirkungen der Pandemie kennengelernt und konnten diese Erfahrungen in allen anderen Ländern zum Einsatz bringen. Speziell in Deutschland arbeiten wir seit März letzten Jahres zu grossen Teilen im Homeoffice und haben die Produktion mehrschichtig aufgeteilt, so dass immer geteilte Arbeitsgruppen vorhanden sind, um Produktionsausfälle im Falle einer Infektion vermeiden zu können. Alle diese Massnahmen haben dazu geführt, dass wir immer zu 100 Prozent weiterarbeiten konnten.

Gleichzeitig sichern wir unsere Produktion durch ein sehr grosses Rohmateriallager ab. Dieses haben wir nach der grossen Material­knappheit 2011 infolge der japanischen Erdbeben-Katastrophe aufgebaut. Darin lagern wir Rohmaterial für vier bis sechs Monate Produktion. Bei Schwankungen in der Supply Chain können wir so einfach weiter produzieren. Das hilft uns auch in der jetzigen Situation. In der Industrie weltweit sind wieder Boomzeiten angezeigt mit grossen Wachstumsraten bis 30 Prozent. Da kommt uns ein so grosses Lager natürlich entgegen.

Und wie sieht die Situation mit Corona in der Schweiz aus?

R. Zuberbühler: Es war für uns alle eine herausfordernde Zeit. Mit Homeoffice muss man aufpassen, dass der Spirit nicht verloren geht. Nun freuen wir uns, dass die Industrie gerade wieder richtig Fahrt aufnimmt. Alle investieren in innovative Lösungen, um den Vorsprung zu sichern im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung. Tatsächlich haben wir in dieser Zeit sogar neue Mitarbeiter eingestellt, waren jederzeit verfügbar und konnten schnell auf Online-Trainings umstellen. So hatten wir die Gelegenheit, Beckhoff ins Wohnzimmer unserer Kunden zu bringen und auch online enge Beziehungen aufzubauen.

Herr Beckhoff, Sie geniessen den Austausch mit Kunden in vollen Zügen, an Messen sieht man Sie von früh bis spät im Gespräch. Wie sehr fehlen Ihnen die Veranstaltungen und die persönlichen Unterhaltungen mit den Kunden?

H. Beckhoff: Eine Messe ist schon etwas Besonderes. Mein Vater hat mich als 10-jähriger Bub bereits mitgenommen an die Hannover Messe, ich habe nun also mehr als 50 Jahre Messeerfahrung. Die Treffen mit anderen Leuten und anderen Kulturen geniesse ich sehr und das gehört ganz klar zu meinem Leben – und zu Beckhoff. Man munkelt ja, dass unser Umsatzwachstum in wesentlichen Dingen wegen der Messepartys zustande kommt, weil wir damit Kunden und Branchen überzeugen, dass es am meisten Spaß macht, mit Beckhoff zusammenzuarbeiten (lacht).

Wie sehen die Zukunftsanforderungen an Beckhoff aus? Welche Trends gilt es zu bedienen?

H. Beckhoff: Ein grosser Trend liegt im Vision-­Bereich. Die Anzahl an Kameras und Sensoren zur Bildverarbeitung wird auf Maschinen stark zunehmen. Dem tragen auch wir Rechnung, indem wir eine eigene Kameraserie entwickeln, mit der wir nächstes Jahr auf den Markt kommen wollen. Die Kamera wird zu einer Art Universalsensor in der Maschine und ihre Anzahl wird stark zunehmen. Ob zwei, fünf oder zehn spielt keine Rolle mehr – unsere Systeme sind darauf ausgelegt, mehr als ein Dutzend Kameras in Echtzeit auswerten zu können – auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, einem weiteren Trendthema.

Der Trend zur Cloud ist ebenfalls unaufhaltsam. Hier bieten wir mittlerweile das komplette cloudbasierte Engineering mit komplexen Entwicklungswerkzeugen auf vorbereiteten Entwicklungsumgebungen an. Einfach via Webbrowser einloggen und loslegen.

Gibt es hier Unterschiede für den Schweizer Markt?

R. Zuberbühler: Der Druck ist hoch, um Produktions- und Verarbeitungsprozesse nicht nur schnell, effizient und preiswert zu ermöglichen, sondern auch intelligente Maschinen zur Bearbeitung personalisierter Produkte herzustellen. Eine kurze Time-to-Market ist essenziell. Es geht um eine möglichst schnelle Projekt-Umsetzung und dafür braucht es Unterstützung. Spezialisten sind dafür kundenseitig nicht immer in allen Disziplinen verfügbar. Es wird verstärkt unsere Aufgabe, in allen Bereichen diese Dienstleistung anzubieten. Auch Predictive Maintenance und Produc­tion Excellence werden mehr und mehr integrierter Bestandteil eines erfolgreichen Maschinenkonzepts. Die dazu benötigten Daten werden beispielsweise mit Vision erfasst, über IoT Protokolle gesammelt und in der Cloud ausgewertet.

Digitalisierung, Cloud-Produkte, Künstliche Intelligenz. Braucht es hier eine neue Art Mitarbeiter mit neuen Skills?

H. Beckhoff: In erster Linie versammeln wir all diese modernen Technologien in TwinCAT, die zentrale Verwaltung findet in der SPS statt. Die SPS-Sprachen gemäss IEC61131 wird von allen Automatisierern beherrscht, so gesehen haben unsere Kunden immer einen gewohnten Zugriff auf allen neuen Spitzentechnologie-Funktionen. Das ist aber nur das Handwerk. Dieses nützt wenig, wenn man nicht weiss, was dahinter passiert. Dafür braucht es dann Mitarbeiter, die zusätzliches Wissen mitbringen und sich in diese neuen Techniken hineindenken können.

Findet man diese Mitarbeiter denn ohne Probleme?

H. Beckhoff: Das kommt auch immer auf die geografische Lage an. Beckhoff ist in Ost-Westfalen zu Hause. Aus der Weite betrachtet ein wenig in der Provinz, aus der Nähe ist das hier aber eine Art Automatisierungs-Valley mit zahlreichen bedeutenden Anbietern aus diesem Bereich und vielen Universitäten und Fachhochschulen. Hier ist also eine grosse Automatisierungsszene vorhanden, die genau diese Talente nachfragt und auch zu Tage fördert.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

R. Zuberbühler: Die Schweiz besitzt hervorragende Hochschulen, die sehr gute Ingenieure ausbilden. Der technologische Vorsprung von Beckhoff und unsere Familienkultur ziehen viele dieser Talente aus allen Sprachregionen zu uns. Bei uns können sie, sozusagen, ihre Freude an der Technologie voll ausleben und erleben täglich neue Herausforderungen. Auch unsere legendären Partys und der enorme Freiheitsgrad sind dabei hilfreich. Im Vertrieb gestaltet sich die Rekrutierung ein wenig schwieriger.

Die Automatisierungsbranche ist gross, die Zahl der Anbieter von Automatisierungstechnik dementsprechend hoch. Wie unterscheidet sich Beckhoff von der Konkurrenz?

H. Beckhoff: Wir können als einer von wenigen Anbietern eine komplette Automatisierungslösung von A bis Z liefern. Das unterscheidet uns schon mal vom Grossteil der Unternehmen. Trotzdem pflegen wir eine grosse Offenheit in unserer Steuerungstechnik und geben unseren Kunden die Möglichkeit der Integration vieler Geräte von Drittanbietern. Und wir gelten in vielen Bereichen als Trendsetter in der Branche. Sei es PC-based Control, die Busklemme, TwinCAT, EtherCAT oder unsere neuen Antriebs­systeme wie XTS oder XPlanar: Wir bringen immer wieder revolutionäre Technologien hervor, die dann auch gerne kopiert werden.

R. Zuberbühler: Das Wichtigste darf durch das Wachstum natürlich nicht vergessen gehen: Beckhoff ist eines der letzten Familienunternehmen in der Herstellung von Automatisierungstechnik, gehört zu den innovativsten Unternehmen und ist dabei ein verlässlicher Partner mit einer nachhaltigen Firmenphilosophie. Eine wichtige Voraussetzung, um junge Talente anzuziehen und die Marktposition weiterhin zu stärken.

Widerspiegelt sich das Familienunternehmen auch in Ihrem Führungsstil?

H. Beckhoff: Wie bereits erwähnt: Vertrauen reduziert Komplexität. Das gilt sowohl in der Familie wie auch im Betrieb. Ausserdem propagiere ich ein freies „Rumspinnen“, alle Ideen sind erlaubt und werden in einer demokratischen Diskussion besprochen. Am Ende muss aber oft eine diktatorische Entscheidung getroffen werden, in welche Richtung wir gehen. Diese Methode hat sich bewährt und ich denke, unser Erfolg gibt uns in dieser Hinsicht absolut Recht.